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Wilhelm Beneker

UND NUN?

Mit Kindern über den Tod sprechen

Eine Geschichte zum Thema

 

 

Und nun?

Die Menschen waren alle schwarz gekleidet. Sehr viel Leute waren in der Kirche gewesen und dann auf dem Friedhof. Freunde und Bekannte hatten der trauernden Familie die Hand gegeben. Aber jetzt zerstreute sich langsam die Menge. Auch die Schulklasse ging heim, - bedrückt, - traurig und erschrocken.

Hans war mit seiner Mutter gekommen.  Hermann war sein bester Freund gewesen und in der Klasse saßen sie nebeneinander. Jeden Tag waren sie zusammen, vormittags in der Schule und nachmittags trafen sie sich zu ihren Spielen. Aber dann war der Unfall geschehen. Mit dem Fahrrad war Hermann vom Grundstück seiner Eltern auf die Straße gefahren. Der Autofahrer hatte nicht mehr bremsen können, und so war es passiert. Heute war Hermann beerdigt worden.

Hans verstand das alles nicht. „Der Pastor hat gesagt, dass Hermann nun bei Gott geborgen ist. Meint er damit, dass er nun im Himmel ist?“

„Ja“ sagte die Mutter, „das meint er wohl damit!“

Und Hans sagte:“ Aber er liegt doch nun in der Erde, im Grab!“

„Komm“, sagte die Mutter, „wir gehen noch einmal über den Friedhof. Ich will dir etwas zeigen!“  -  Sie gingen über den alten Friedhof des Marschendorfes zu einem Grabkeller. Eine schwere Sandsteinplatte lag darauf. Man konnte die Jahreszahl noch erkennen 1741. Die eingemeißelte Schrift konnte Hans nicht lesen, aber die Mutter half ihm.

Hier wartet auf die Auferstehung

Metta Gesine Janssen,

ehrbarer Bürger Töchterlein,

von Gott gerufen im 12ten Jahr ihres Lebens.

Unter der Schrift war ein Bild in den Stein gemeißelt. Es war nicht mehr sehr gut erhalten, aber man konnte noch erkennen, was es bedeuten sollte.

„Schau“, sagte die Mutter, „dieses Bild stellte eine Geschichte dar. Ich will sie dir erzählen!“

Jesus redete zum Volk von Gottes Reich, wie er es immer tat. Das Reich Gottes ist ganz nahe bei uns, sagte er immer. Da kam ein Mann gelaufen. Es war Jairus, ein frommer Mann. Aber jetzt war er voll Angst. Er lief zu Jesus und warf sich vor ihm nieder. Er rief: „Herr, hilf mir! Ich habe Angst um meine Tochter. Sie ist krank – sie wird sterben, wenn du mir nicht hilfst. Komm doch, Herr, lass sie leben!“

Da ging Jesus mit ihm. Aber auf dem Weg kamen ihm schon Leute entgegen. Die sagten: „es ist zu spät. Deine Tochter ist gestorben“

Jesus aber sprach zu Jairus:“ Du brauchst keine Angst zu haben. Halte nur deinen Glauben fest!“

Sie kamen zu dem Haus, in dem Jairus wohnte. Schon von weitem hörten sie die Totenklage. Und Jesus ging in das Haus. Er sagte zu den Frauen, die die Totenklage hielten:“ Hört auf zu jammern und zu klagen. Dieses Kind ist nicht tot. Es schläft!“ – Die Frauen aber lachten ihn aus. Sie verstanden nicht, dass Jesus sagen wollte: Der Tod ist ein Schlaf zur Auferstehung bei Gott!

Dafür wollte er ein Zeichen geben.

Jesus ging in das Totenzimmer. Nur die Eltern des Kindes  und seine Jünger nahm er mit sich.. Er rief das Mädchen aus dem Tod ins Leben. Er fasste das Mädchen an. Er sprach: „Mädchen, ich sage dir: stehe auf!“ Und das Mädchen stand auf und ging umher.

Als die Mutter diese Geschichte erzählt hatte, war sie einen Augenblick still.  Dann sagte sie: „Hermann war genau so alt wie das Mädchen, das vor über 200 Jahren unter dieser Steinplatte beerdigt wurde: 12 Jahre, - wie die Tochter des Jairus. Und die Eltern haben dieses Bild in die Steinplatte meißeln lassen, weil sie an die Auferstehung glaubten.

Als Jesus Tote ins Leben rief wollte er zeigen, dass wir auch auferstehen werden von den Toten, so wie später Jesus selbst auferstanden ist.

Darum müssen wir auch auf das hören, was Jesus zu Jairus sagte: „Habe keine Angst,  glaube nur!“

Wilhelm Beneker

 

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