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Laienspiele:

WAS FEHLT AN DER GERECHTIGKEIT?

Ein Lesespiel nach H. Böll, Die Waage der Baleks

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WÄCHTERBERICHT

Ein Spiel zur Passion und Ostern
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DAS HAMMELWARDER HIRTENSPIEL

Ein Weihnachtsspiel

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DIE EMSTEKER CHRISTGEBUURT

Vier Sprechmotetten in einer Christvesper
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WÄSERWIEHNACHT

Een lütt` Annspill` ut den halwen Kring

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LAIENSPIELE


Wilhelm Beneker

 

WAS FEHLT AN DER GERECHTIGKEIT?

Ein Lesespiel nach der Erzählung
„Die Waage der Baleks“
von Heinrich Böll

 

Erzähler:   Winter liegt über dem Land..
Schneematsch auf den Bergen
und auf den Wegen.
Die Leute hier sind arm.
Sie arbeiten hart.
Sie brechen den Flachs,
sie atmen den Flachsstaub
und sterben einen frühen Tod
an der Staublunge.
Auch die Kinder arbeiten.
Im Sommer und Herbst sammeln sie
Kräuter, Blüten und Pilze.
Was sie gesammelt haben
Bringen sie auf das Schloss der Baleks.
Dort wird es gewogen.
 
Gutsherrin:   Nun Peter, was bringst du?
Ah – Pilze.
Recht fleißig bist du gewesen!
 
Peter:   Das hab ich auch noch.
 
1. Erzähler:   Peter hat der Frau Balek einen kleinen
Beutel gereicht.
Ein erdig-herber Duft steigt aus dem
Beutel auf.
 
Gutsherrin:   Schau einmal an _ Trüffeln!
Dafür bekommst du achtzig Pfennige
für ein Pfund!
 
2. Erzähler:   So geht es Tag für Tag –
Jahr für Jahr.
Seit Generationen schon.
Die Frau Balek wiegt die Kräuter,
wiegt die Pilze.
Sie trägt alles in ein Buch ein,
das Gewicht – und auch den Preis.
 
1. Erzähler:   Ja, ja, das Gewicht!
Es gibt nur diese eine Waage im Dorf,
die Waage der Baleks.
Niemand sonst darf eine Waage haben.
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz,
das Gesetz der Baleks.
 
2. Erzähler:   Aber jetzt liegt Winter über dem Land.
Neujahr steht bevor.
Neujahr des Jahres 1900.
Die Baleks sollen vom Kaiser
geadelt werden
. Ein Ereignis für die Baleks.
Ein Ereignis auch für die Leute im Dorf.
Jede Familie soll ein viertel Pfund Kaffee
bekommen.
 
1. Erzähler:   Kaffee – das kennen sie nicht.
Sie trinken Eichelkaffe,
schwarz und bitter.
Nur an Feiertagen gibt es Milch dazu.
Dann glühen die Gesichter der Kinder,
werden rot vor Freude.

Aber nun gibt es Kaffee.
Richtigen Kaffee.
Für jede Familie ein viertel Pfund
 
Magt:   Du willst den Kaffee holen, Peter?
 
Peter:    Ja, den Kaffee –
Auch für Zechs, Beidlers und Vohlas!
 
Magt:   Ist recht, Peter.
Vier mal ein viertel Pfund –
Bitte! – So –
und nun noch ein Bonbon.
---------
O, das Glas ist leer.
Warte, Junge, ich hole neue.
 
2. Erzähler:   Die Magd holt neue Bonbons.
Da steht nun der Junge und wartet.
Er sieht die Waage.
Jemand hat das 1/2-Kg- Stück
auf der Waage stehen lassen.

Der Junge sieht es.
Soll er es wagen?
Er tut es!
Er legt die vier Kaffeepakete auf die Waage,
aber die Waagschale hebt sich nur leicht.
Drei, vier, fünf Kieselsteine
muss er noch auf die Waagschale legen,
dann erst hebt sich die Waagschale
und der Zeiger steht auf der Linie
der Gerechtigkeit.

Ein Schrecken greift nach dem, Jungen,
Schrecken und Zorn,
maßloser Zorn.
Er nimmt den Kaffee und die Steine
Wieder von der Waage –
steht da wie vorher.
 
Magt:   So Peter, hier hast du ein Bonbon,
und noch eins fürs Warten.
 
1. Erzähler:   Peter nimmt die Bonbons,
sieht sie an -
wirft sie auf den Fußboden und zertritt sie.
 
Peter:   Ich will die Frau Ballek sprechen!
 
Magd:   Du meinst Frau v o n Balek?
 
Peter:   Meinet wegen!
Ich will also die Frau von Balek sprechen.
 
Magt:   Und du meinst, sie ist für dich zu sprechen?
Einfach so?
O nein, mein Junge,
So einfach ist das nicht.
 
Peter:   Ich will sie aber sprechen.
Ich muss!
 
Magt:   Nein!
 
2. Erzähler:   Peter sieht die Magt an,
und den Kaffee,
und die Waage
und die zertretenen Bonbons.
Er nimmt drei Kaffeepäckchen.
Das vierte Päckchen lässt er liegen
Er geht zur Tür.
 
Magt:   Aber Junge –
Du hast den Kaffee vergessen –
ein Päckchen Kaffee!
 
Peter:   Wir wollen den Kaffee nicht!
 
1. Erzähler:   Der Junge liefert den Kaffee ab.
Bei Zechs, bei Beidlers, bei Vohlas,
. dann geht er fort.
Er geht den weiten Weg bis zur Stadt.
In den Dörfern gibt es keine Waagen.
Er geht zum Apotheker.
 
Apotheker:   Du Peter? – Und so spät noch?
Ist es schlimmer geworden mit der Lunge
deines Vaters?
 
Peter:   Nein, nein.- Ich komme nicht um Medizin.
Ich komme – ich wollte –
wollen Sie mir das wiegen – bitte?
 
2. Erzähler:   Peter bindet sein Sacktuch auf.
Er reicht dem Apotheker die fünf
Kieselsteine.
 
Apotheker:   Wiegen? – Diese Steine? Was soll das?
 
Peter:   Es ist das, was an der Gerechtigkeit fehlt.
 
1. Erzähler:   Der Apotheker versteht das nicht.
Aber er nimmt die fünf Steine
und wiegt sie.
 
Apotheker:   Es sind genau 5 ½ Deka – 50 Gramm.
 
Peter:   Danke, Herr, danke!
Ein Zehntelpfund fehlt an der
Gerechtigkeit.
 
2. Erzähler:   Peter geht den weiten Weg zurück.
Er muss an die vielen Pilze denken
Und an die vielen Kräuter und Blüten.
Und bei jedem Pfund fehlen 50 Gramm
an der Gerechtigkeit.
Ihm kommen die Tränen.
Zu Hause wird er erwartet.
Er lässt sich prügeln, weil er den
Kaffee nicht hat.
Er schweigt.
Dann rechnet er.
auf Kalenderzetteln hat er alles
aufgeschrieben, was er abgeliefert hat.
Gewichte und Preise.
Dann erzählt er alles seinen Eltern.
 
1. Erzähler:   Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die
Nachricht im ganzen Dorf.
Im Neujahrsgottesdienst
sollte die Erhebung der Baleks in den
Adelsstand gefeiert werden.
Alle waren da, das ganze Dort.
Als die Baleks die Kirche betraten
sangen sie alle:

„Gerechtigkeit der Erden
hat dich, o Herr, getötet!“

Immer wieder dieses Lied!
 
2. Erzähler:   Es gab einen Aufruhr im Dorf.
Die Polizei musste eingreifen,
von den Baleks gerufen.
 
    Peters Eltern
und die Kinder
wurden aus dem Dorf vertrieben.
Als wandernde Händler
schlugen sie sich durch.
Und überall, wohin sie auch kamen,
erzählten sie von der Gerechtigkeit
der Baleks und von dem,
was fehlte an der Gerechtigkeit,
aber es hörte fast niemand zu.
     

 

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